Nachrichten vom Dienstag, 23.06.2026

Welt

US-Ölfenster für Iran, aber Streit über Atominspektoren

Nach Gesprächen in Bürgenstock berichten Katar und Pakistan von einem Fahrplan für ein finales US-Iran-Abkommen binnen 60 Tagen. Die USA haben zugleich Sanktionen temporär gelockert: Iran darf bis 21. August Rohöl und Petrochemie auch in US-Dollar verkaufen, laut BBC sogar mit direktem Import in die USA. US-Vizepräsident JD Vance sagte, Gespräche über die Rückkehr von IAEA-Inspektoren könnten sofort beginnen; Teheran widerspricht und spricht von „keinen neuen Verpflichtungen“. Das ist diplomatisch Bewegung, aber noch kein überprüfbarer Nuklear-Deal.

Quelle: bbc.com

Explosion in Katars größter LNG-Anlage tötet mindestens 13 Menschen

In der Industriezone Ras Laffan sind laut BBC mindestens 13 Menschen getötet und 66 verletzt worden. Das Innenministerium spricht von einem „technischen Unfall“ am wichtigsten LNG-Verarbeitungsstandort des Landes; Energieminister Saad Sherida al-Kaabi schloss Sabotage oder einen feindlichen Akt aus. Die Explosion war noch mehr als 70 Kilometer entfernt in Doha zu spüren, soll Katars Exporte aber nicht beeinträchtigen. Die Opfer stammen nach Angaben des Ministers aus Indien und Pakistan.

Quelle: bbc.com

Wem nützt's?

Rundfunkbeitrag landet wegen 58 Cent in Karlsruhe

ARD und ZDF ziehen vor das Bundesverfassungsgericht, weil die Länder die eigentlich zum 1. Januar 2025 vorgesehene Erhöhung des Rundfunkbeitrags nicht umgesetzt haben. Es geht um 58 Cent pro Monat, aber politisch um die Frage, ob Länderparlamente eine durch das Beitragsverfahren empfohlene Anpassung blockieren dürfen. Die Sender argumentieren mit ihrer Finanzierungsgarantie; die Länder verweisen auf Akzeptanz und politische Verantwortung. Kleine Zahl, großes Hebelwerk — genau so liebt es der deutsche Föderalismus.

Quelle: tagesschau.de

Natur & Umwelt

Glyphosat-Beschwerde gegen Bayer wird teilweise angenommen

Eine Beschwerde mehrerer NGOs gegen Bayer wegen Gen-Soja und Glyphosat in Lateinamerika wurde nach Tagesschau/RBB-Recherche teilweise angenommen. Betroffene aus Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay werfen dem Konzern vor, durch Vertrieb von Glyphosat und gentechnisch verändertem Soja zu Gesundheitsschäden, Vertreibung und Regenwaldzerstörung beizutragen. Konkret genannt werden Atemwegs- und Krebserkrankungen, glyphosatbelastetes Trinkwasser und Konflikte mit indigenen Gruppen. Die Beschwerde läuft über die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen — rechtlich weicher als ein Urteil, politisch aber unangenehm.

Quelle: tagesschau.de

Tech & Open Source

Microsoft koppelt neues West-Texas-Rechenzentrum an 2,67 GW Gasleistung

The Register berichtet über einen 20-jährigen Stromabnahmevertrag zwischen Microsoft und Chevron-Tochter Energy Forge One für ein neues Rechenzentrum in Pecos, West Texas. Die Anlage „Project Kilby“ soll mit 2,67 Gigawatt erdgasbasierter Leistung direkt hinter dem Zähler versorgt werden, also ohne Umweg über das öffentliche Netz. Microsoft nennt das eine der größten Einzelkapazitätserweiterungen seiner Rechenzentrumsflotte; Chevron spricht von einem der größten gekoppelten Gas-und-Datacenter-Projekte der USA. KI braucht Strom, und manchmal riecht die Zukunft nach Turbine.

Quelle: theregister.com

Security & Privacy

AMD bringt TSME für Zen-5-Ryzen per Firmware zurück

AMD will die RAM-Verschlüsselung TSME für Ryzen-Prozessoren der Zen-5-Generation wieder aktivieren, berichtet Heise. Ein Firmware-Update für betroffene x86-Prozessoren soll im Juli erscheinen, nachdem ein AGESA-Update die Funktion vor Monaten ohne Vorankündigung deaktiviert hatte. TSME steht für Transparent Secure Memory Encryption und soll Angriffe mit physischem Zugriff auf RAM-Inhalte erschweren. Unklar bleibt, warum AMD die Funktion zuerst entfernte — Marktsegmentierung ist hier die höfliche Verdächtige im Raum.

Quelle: heise.de

Open-Source-CLI sucht veraltete Dependency-Overrides

The Register beschreibt ein neues Open-Source-CLI für ein unscheinbares Supply-Chain-Problem: Teams setzen Overrides, um verwundbare transitive Abhängigkeiten zu ersetzen, vergessen diese Einträge später aber wieder. Wenn das Hauptpaket irgendwann selbst aktualisiert wurde, kann ein alter Override wirkungslos oder sogar irreführend werden. Das Tool zielt genau auf diese toten Sicherheitskrücken in Paketabhängigkeiten, die sonst jahrelang als „erledigt“ in Repositories liegen. Weniger spektakulär als ein 0-day, aber näher an echter Wartungshygiene.

Quelle: theregister.com

KI & Benchmarks

PlanBench-XL testet Agentenplanung über 1.665 Werkzeuge

PlanBench-XL ist ein neuer interaktiver Benchmark für LLM-Agenten in großen Tool-Ökosystemen. Er umfasst 327 Retail-Aufgaben über 1.665 Werkzeuge und prüft, ob Agenten relevante Tools trotz begrenzter Sichtbarkeit finden, Zwischenergebnisse nutzen und bei blockierten oder fehlerhaften Funktionen umplanen. In den gemeldeten Experimenten erreicht GPT-5.4 ohne Blockaden 51,90 Prozent Genauigkeit, fällt unter schwerster Blockade aber auf 11,36 Prozent. Die eigentliche Botschaft ist hässlich-nützlich: Agenten scheitern nicht nur am Denken, sondern am Reparieren ihrer eigenen Arbeitswege.

Quelle: huggingface.co

PhySciBench misst Deep-Research-Agenten in Physik und Chemie

PhySciBench bewertet Deep-Research-Agenten mit 200 expertengeschriebenen Fragen aus Physik und Chemie. Die Aufgaben decken multimodales QA, Long-Context-QA, strukturierte Informationsextraktion, wissenschaftliches Schließen, Versuchsdesign und Codegenerierung ab. Der stärkste gemeldete Baseline-Wert, Gemini Deep Research, erreicht nur 33,5 Prozent Genauigkeit. Das begleitende DelveAgent-Framework verbessert laut Paper die Genauigkeit um bis zu 7,5 Prozentpunkte und senkt die Inferenzkosten auf etwa ein Drittel der stärksten Baseline.

Quelle: huggingface.co