Nachrichten vom Dienstag, 05.05.2026

Welt

Erster iranischer Angriff auf UAE seit Waffenstillstand — Trump verweigert Bestätigung des Friedens

Eine iranische Drohne traf am 4. Mai die Fujairah Petroleum Industries Zone an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate — der erste direkte Angriff auf emiratisches Territorium seit dem am 7./8. April vereinbarten Waffenstillstand. Im Fujairah-Terminal brach ein Großbrand aus; drei indische Staatsbürger wurden mittelschwer verletzt. Die Luftabwehr der UAE fing vier weitere iranische Raketen ab, eine fiel ins Meer. Separat wurden zwei Drohnen auf einen Tanker des staatlichen Ölkonzerns ADNOC im Hormuz abgefeuert; keine Verletzten. US-Präsident Trump weigerte sich am Montag auf direkte Nachfrage von Journalisten, den Waffenstillstand als weiterhin gültig zu bezeichnen, und ließ damit dessen Status öffentlich in der Schwebe. Die UAE ordneten Fernunterricht für alle Schulen bis Freitag an; Ölpreise stiegen im asiatischen Frühhandel.

↳ Bezug zum Vortag: Project Freedom (US-Geleitschutz durch Hormuz) startete am 4. Mai; Iran bezeichnete die Operation als Verletzung des Waffenstillstands; 14-Punkte-Friedensplan Irans eingereicht; Iran-seitige Behauptung, ein US-Kriegsschiff getroffen zu haben, wurde von CENTCOM dementiert.

Quelle: aljazeera.com

Sonstiges

Trump ordnet Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an — und kündigt „weit mehr" an

Das Pentagon bestätigte am 1. Mai, dass rund 5.000 US-Soldaten binnen sechs bis zwölf Monaten aus deutschen Standorten abgezogen werden — etwa 14 Prozent der derzeit 36.000 in Deutschland stationierten US-Truppen. Trump erklärte am selben Tag, der Abzug werde „weit größer als 5.000" ausfallen, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Auslöser war ein öffentlicher Konflikt mit Kanzler Friedrich Merz: Merz hatte Trumps Iran-Kriegsführung als „Demütigung der USA" durch Iran bezeichnet und mangelnde Strategie kritisiert — worauf Trump mit der Abzugsankündigung reagierte. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete die Entscheidung als „erwartet" und versuchte, Besorgnis zu dämpfen. Republikanische Kongressmitglieder zeigten sich laut Washington Post alarmiert; NATO-Generalsekretär hat sich bislang nicht geäußert.

Quelle: washingtonpost.com

Sonstiges

Österreich weist drei russische Diplomaten aus — erstmals seit der Invasion 2022

Das österreichische Außenministerium erklärte am 4. Mai drei russische Diplomaten zu Personae non gratae und verwies auf konkrete Spionageverdachtsmomente. Wien, das seit Jahrzehnten als inoffizieller Knotenpunkt russischer Geheimdienstoperationen in Europa gilt und nach der Invasion der Ukraine 2022 als einziger größerer EU-Staat keine Diplomaten auswies, vollzieht damit eine bemerkenswerte Kehrtwende. Österreich hatte seine politische Neutralität traditionell als Argument für Zurückhaltung bei kollektiven NATO- und EU-Gegenmaßnahmen verwendet. Hintergrund sind laut Medienberichten neue Erkenntnisse des österreichischen Verfassungsschutzes (BVT) über aktive Beschaffungsoperationen russischer Dienste im Land.

Quelle: reuters.com (Austria expels Russian diplomats, May 4, 2026)

Wem nützt's?

'„Es ist ein Amoktäter" — Details zu den Todesopfern' (t-online/Nius, Aufmacher Online, 4./5. Mai)

Ein 33-jähriger Deutscher fuhr am 4. Mai mit einem VW SUV durch die Fußgängerzone der Grimmaischen Straße in Leipzig, tötete eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann, verletzte rund 22 weitere Menschen und wurde noch am Tatort festgenommen. Polizei und Staatsanwaltschaft schlossen politische oder religiöse Motive explizit aus und sprechen von Amok; laut Medienberichten war der Täter zuletzt aus psychiatrischer Behandlung entlassen worden und der Polizei bekannt. Boulevard-Titel wie t-online.de, Nius und nach Recherche auch Bild rahmen den Fall mit der Frage „Warum war dieser Mann auf freiem Fuß?", was den Narrativ sofort auf Systemversagen des Psychiatrierechts lenkt. Das begünstigt eine bestimmte politische Agenda: Die CDU/CSU-geführte Bundesregierung arbeitet seit Monaten an einem neuen Sicherheitspaket, das verlängerte Unterbringungsfristen für psychisch kranke Täter und ausgedehnte Meldepflichten für Psychiatrieeinrichtungen an Behörden enthält. Jeder Fall dieser Art erzeugt Druck, dieses Gesetz schnell und mit wenig parlamentarischer Diskussion durchzusetzen. Die mediale Konzentration auf die Freilassungsentscheidung verdrängt gleichzeitig die strukturelle Frage nach der chronischen Unterfinanzierung psychiatrischer Versorgung.

Quelle: t-online.de

Unter dem Radar

RSF beschießt Khartoum-Flughafen mit Drohnen — Sudans Bürgerkrieg eskaliert in zivile Infrastruktur

Die Rapid Support Forces (RSF) — eine paramilitärische Miliz, die seit April 2023 gegen die sudanesische Armee kämpft — griffen am 4. Mai den internationalen Flughafen Khartoum sowie mehrere Militärinstallationen mit Drohnen an. Der Flughafen hatte erst kürzlich nach wochenlanger Kampfpause begrenzt wieder geöffnet; Hilfsorganisationen nutzten ihn als wichtigste Versorgungsroute für notleidende Gebiete. Ein treffer auf Flughafeninfrastruktur bedeutet faktisch das Ende von Hilfsflügen in die Hauptstadtregion. Sudan ist laut GRFC 2026 (Welt-Ernährungskrisenbericht, veröffentlicht Ende April) eine der beiden aktuell bestätigten Hungersnöte weltweit; 25 Millionen Menschen — über die Hälfte der Bevölkerung — gelten als akut ernährungsunsicher. In deutschen Leitmedien wird der Sudan-Konflikt seit Monaten kaum noch erwähnt; Kapazitäten für Auslandsberichterstattung sind auf den Nahen Osten konzentriert.

Quelle: aljazeera.com

Sonstiges

Fujairah als Hormuz-Bypass: Was der Drohnenangriff wirklich zerstört

Die Dimension des gestrigen Angriffs auf das Fujairah Petroleum Industries Zone (s. Welt-Meldung oben) ist in der deutschen Berichterstattung bislang kaum herausgearbeitet: Fujairah ist der Endpunkt der Habshan-Fujairah-Pipeline (auch: Abu Dhabi Crude Oil Pipeline, ADCOP) — einer 380-Kilometer-Leitung, die bewusst auf der Ostseite der Arabischen Halbinsel endet, außerhalb des Persischen Golfs und ohne Passage durch die Straße von Hormuz. Kapazität: 1,5 bis 1,8 Millionen Barrel pro Tag. Die UAE hatte nach Kriegsbeginn gezielt auf diese Alternativroute umgeswitcht; UAE-Exporte über Fujairah stiegen von 1,17 Mbpd im Februar auf 1,62 Mbpd im März. Zusammen mit der saudi-arabischen East-West-Pipeline Yanbu ergibt sich eine kombinierte Bypass-Kapazität von 3,5 bis 5,5 Mbpd — die einzige nennenswerte Alternative zur Hormuz-Durchfahrt für die gesamte Region. Wenn Iran diese Terminals systematisch angreift und beschädigt, verliert die Welt den einzig verfügbaren Backup-Weg für Golf-Öl. Die wirtschaftlichen Konsequenzen wären um ein Vielfaches schwerwiegender als die Hormuz-Blockade allein.

↳ Bezug zum Vortag: UAE hatte OPEC im März verlassen; Hormuz-Blockade seit 28. Februar; Weltbank meldete Urea-Preisanstieg von 46 % im März.

Quelle: cnbc.com

Security & Privacy

CVE-2026-32202: Unvollständiger Patch öffnet Windows für APT28-Authentifizierungsdiebstahl — CISA-Frist 12. Mai

Microsoft flickte mit dem April-Kumultivupdate KB5083769 (Windows 11 24H2 und 25H2) eine Lücke, die entstand, weil ein früherer Patch für eine von APT28 (Fancy Bear = Einheit des russischen GRU-Militärgeheimdienstes) ausgenutzte Zero-Day-Schwachstelle (CVE-2026-21510) unvollständig war. Das Sicherheitsunternehmen Akamai entdeckte, dass der Patch die ursprüngliche RCE-Möglichkeit (Remote Code Execution — Ausführung beliebigen Codes über Netz) zwar schloss, aber eine Authentication-Coercion-Lücke (Erzwingen von Authentifizierungsdaten ohne Benutzeraktion) offen ließ: Ein Angreifer kann damit den Net-NTLMv2-Hash (Hashwert der Windows-Anmeldedaten) des Opfers abfangen und sich damit ohne Passwort im Netzwerk als dieser Nutzer authentifizieren. APT28 hatte CVE-2026-21510 nachweislich gegen Ziele in der Ukraine und EU-Ländern eingesetzt; CISA hat CVE-2026-32202 in den KEV-Katalog aufgenommen und setzt für US-Bundesbehörden eine Patch-Pflicht bis zum 12. Mai. Windows-Systeme ohne das April-2026-Update sofort nachholen.

Quelle: helpnetsecurity.com

Forschung

MIT löst 70-jähriges Materialrätsel: Erstmals 3D-Atomstruktur von Relaxor-Ferroelektrika kartiert

Forscher des MIT und Kooperationspartner haben in einem in Science veröffentlichten Paper erstmals die dreidimensionale atomare Ladungsverteilung eines Relaxor-Ferroelektrikums direkt gemessen — konkretes Material: Blei-Magnesium-Niobat-Bleititanat (PMN-PT), ein piezoelektrischer Werkstoff (Material, das elektrische Spannung in mechanische Verformung umwandelt und umgekehrt), der in medizinischem Ultraschall, Sonar, Aktuatoren und Rüstungssensorik eingesetzt wird. Bisher beruhten alle Simulationsmodelle auf indirekten Messungen; die tatsächliche innere Polarregion des Materials ist laut Paper deutlich kleiner und komplexer als alle bisherigen Modelle annahmen. Erreicht wurde die Messung durch Multi-Slice-Elektronen-Ptychografie (MEP) — ein Verfahren, das einen Nanometerstrahl hochenergetischer Elektronen über das Material rastert und aus den Beugungsmustern eine dreidimensionale Ladungskarte rekonstruiert. Die Ergebnisse ermöglichen erstmals gezielte Materialentwicklung für leistungsfähigere Sensoren, Energiespeicher und Computing-Bauelemente.

Quelle: news.mit.edu